· Henning Scholand · Proxmox · 3 Min. Lesezeit
Proxmox SDN — Software Defined Networking in der Praxis
Proxmox SDN ermöglicht dynamische Netzwerksegmentierung ohne Switch-Konfiguration. Wie VNets, Zones und VXLAN in produktiven Umgebungen zusammenspielen.

Proxmox SDN (Software Defined Networking) ist eine der am meisten unterschätzten Funktionen der Plattform. Statt Netzwerksegmentierung über Switch-VLANs zu steuern — mit allem was das an Koordinationsaufwand bedeutet — definiert man Netzwerke zentral in Proxmox und verteilt sie automatisch auf alle Cluster-Nodes.
SDN-Konzepte verstehen
Proxmox SDN kennt drei Kernkonzepte:
Zones definieren die Netzwerktechnologie. Je nach Zone kommunizieren VMs anders miteinander und werden unterschiedlich isoliert.
VNets sind virtuelle Netzwerke innerhalb einer Zone. Eine Zone kann mehrere VNets enthalten. VNets erscheinen auf jedem Node als Linux-Bridge.
Subnets (optional, ab Proxmox 8) ermöglichen IPAM und DHCP direkt in Proxmox — wir fokussieren uns hier auf die Netzwerktechnologie, nicht das IPAM.
Zone-Typen: Wann was?
| Zone-Typ | Einsatzgebiet | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Simple | Einfache interne Netze ohne Isolation zwischen Nodes | Kein besonderer Uplink |
| VLAN | Bestehende VLAN-Infrastruktur integrieren | Managed Switch mit VLAN-Trunk |
| VXLAN | Multi-Node-Isolation ohne Switch-Konfiguration | Layer-3-Konnektivität zwischen Nodes |
| EVPN | BGP-basiertes Routing, Multitenancy | BGP-fähige Infrastruktur |
Für die meisten Produktionsumgebungen ohne dedizierte Netzwerkabteilung: VXLAN. Kein Switch muss angefasst werden, die Isolation funktioniert auf Layer 3.
VXLAN-Zone einrichten
VXLAN tunnelt Layer-2-Traffic über UDP (Port 4789) durch das bestehende Layer-3-Netz. Jede Zone bekommt eine eindeutige VNI (VXLAN Network Identifier).
Voraussetzung: SDN-Pakete installieren
apt install libpve-network-perl ifupdown2Danach im Proxmox-Webinterface: Datacenter → SDN erscheint als Menüpunkt.
Zone erstellen (CLI)
# VXLAN-Zone erstellen
pvesh create /cluster/sdn/zones \
--zone vxlan-prod \
--type vxlan \
--peers 10.0.0.10,10.0.0.11,10.0.0.12
# peers = IP-Adressen aller Cluster-Nodes im Management-NetzVNet erstellen
# VNet für Produktions-VMs (VXLAN Network Identifier: 1000)
pvesh create /cluster/sdn/vnets \
--vnet prod-vms \
--zone vxlan-prod \
--tag 1000
# VNet für DMZ
pvesh create /cluster/sdn/vnets \
--vnet dmz \
--zone vxlan-prod \
--tag 1001Konfiguration verteilen
# Änderungen auf alle Nodes anwenden
pvesh set /cluster/sdnDanach erscheinen prod-vms und dmz als wählbare Bridges in der VM-Netzwerkkonfiguration — auf jedem Cluster-Node.
VLAN-Zone für bestehende Infrastruktur
Wer bereits eine VLAN-Infrastruktur hat und nur die Verwaltung zentralisieren will:
# VLAN-Zone auf bestehender Bridge
pvesh create /cluster/sdn/zones \
--zone vlan-existing \
--type vlan \
--bridge vmbr1
# vmbr1 = VLAN-aware Bridge aus Artikel 1
# VNet für VLAN 20
pvesh create /cluster/sdn/vnets \
--vnet kunden-a \
--zone vlan-existing \
--tag 20VM einer SDN-VNet zuweisen
# VM 101 ins prod-vms-Netz
qm set 101 -net0 virtio,bridge=prod-vms
# VM 102 in die DMZ
qm set 102 -net0 virtio,bridge=dmzIsolation verifizieren
# Auf Node 1: VM im prod-vms-Netz anpingen
# Auf Node 2: VM im dmz-Netz — sollte NICHT erreichbar sein ohne Routing
# VXLAN-Traffic sichtbar machen
tcpdump -i any udp port 4789 -nStolpersteine
MTU-Probleme: VXLAN fügt 50 Byte Overhead hinzu. Wenn die physische MTU 1500 ist, muss die VM-MTU auf 1450 gesetzt werden — sonst stille Paketverluste bei großen Transfers.
# MTU auf VM-Bridge setzen
ip link set dev prod-vms mtu 1450
# Persistent in /etc/network/interfaces via post-upFirewall blockiert UDP 4789: Wenn zwischen Nodes eine Firewall sitzt, muss UDP 4789 (VXLAN) erlaubt sein. Sonst keine Kommunikation zwischen VMs auf verschiedenen Nodes.
SDN-Konfiguration nach Node-Reboot: pvesh set /cluster/sdn muss nach Änderungen aufgerufen werden. Die Konfiguration wird automatisch beim Booten angewendet — aber nur wenn sie committed wurde.
Im nächsten Teil konfigurieren wir die Proxmox-Firewall auf allen drei Ebenen und nutzen dabei die Netzwerksegmentierung aus Teil 1 und 2.



